Das liest sich ein bisschen so, als würdest du lieber die Utopie des globalen Miteinanders leben wollen.
Grundsätzlich unterscheide ich zwischen Person und Institution. Darum ist mir unmöglich zu erkennen was du dir unter
Utopie des globalen Miteinanders vorstellst. Ist das eine Welt ohne nationale Grenzen in der
Persönlichkeiten miteinander leben, oder doch eine Welt, in der die Staaten harmonisch miteinander verkehren?
Was sind Persönlichkeiten?
Individuen, die das "Glück" hatten, ihre Fähigkeiten gemäß ihrer Interessen und ihren Vorstellungen vollumfänglich haben entwickeln können.
Der aktuelle nationenübergreifende Prozess, den immer mehr Menschen durchlaufen, auch als Individualisierung der Gesellschaft verpönt, wird durch den Begriff "Empowerment" m.E. gut beschrieben.
In allen Erdteilen, in allen Staaten gibt es Menschen, die diesen Prozess durchlaufen.
Individuen können aber gegen die Institution kaum ankämpfen. Ein Individuum ist wie eine exotische Pflanze in einer Monokultur. Es wird rausgerupft, um die Kultur zu erhalten. Dieses Rausrupfen, bzw. die Verwendung von Roundup, ist gegenwärtig in allen Staaten zu beobachten. M.E. eine Reaktion der Institution „Staat“ auf ihr absehbares Ende.
Jeder Staat ist auf den Staatsbürger, der für seinen Erhalt kämpft, angewiesen. Der Franzose für Frankreich, der Chinese für China, der Amerikaner für Amerika usw.
Auch dem Deutschen Michel ist es 1000jährig mal lieber von Merz regiert zu werden als von Macron. Dass es so bleibt, gibt er gerne sein Leben für.
Ich setze meine bescheidenen Fähigkeiten dafür ein, einer Welt, in der Institutionen lediglich verwaltende und organisierende Aufgaben übernehmen und keine bewusstseinsbildende Macht mehr besitzen, näherzukommen.
Ich möchte daher keine Utopie leben, sondern beteilige mich an der Gestaltung der Realität gemäß meinen Vorstellungen. Jeder Mensch, der sich politisch engagiert, wird von irgendwelchen Vorstellungen getrieben, sofern er nicht lediglich auf Kuchenerwerb aus ist.
Kurz, ich arbeite für das Recht auf Persönlichkeitsentwicklung und das Lebensrecht für Persönlichkeiten.
Wer will das nicht?
Nun, da gibt es schon den einen oder andern mächtigen Gegner. Neben den Nationalstaaten, die bekanntlich mit Individualisten gar nicht zurande kommen, weil diese die Wehrhaftigkeit des Staates untergraben und so die Existenz der Monokultur „Volksgemeinschaft“ gefährden, finden sich auch die diversen Religionsgemeinschaften, die ihre Schäfchen zusammenhalten müssen.
Aber die Welt ist nicht so.
Nun weil die Welt nicht so ist, ist es notwendig sich politisch zu betätigen.
Vielleicht war der "Wandel durch Handel" mit Russland ein Versuch, durch gegenseitige Abhängigkeit diesem Ziel etwas näher zu kommen. Hat so nicht funktioniert.
Diese Aussage beinhaltet einen aktiven Part, der ein positives Ziel (die Utopie des globalen Miteinanders) setzt, und einen passiven Part der negativen Absichten (Das Land wieder groß machen?) zu verfolgen scheint.
Und wie selbstverständlich nimmst du die Perspektive des aktiven Parts ein.
Deine Gefühlsebene scheint sagen zu wollen:
"Ich habe alles versucht mit dem Russen auszukommen, aber mit ihm funktioniert es nicht."
Auf der anderen, der russischen Seite empfindet der einzelne Mensch es vermutlich genau umgekehrt.
Hier ist zu spüren, dass der Staat, in dem wer lebt, bewusstseinsbestimmend ist.
Ein institutioneller Konflikt zwischen 2 oder mehreren Staatsapparaten wird von den jeweiligen Bürgern personifiziert. Er wird persönlich genommen und das wird zur Massenpsychose.
Was du schreibst, könnte so übersetzt werden.
„Alle meine Versuche fehlgeschlagen, die Gegenseite will nicht, was Grund genug ist, den globalen Problemen und Herausforderungen (Klimawandel, Artensterben, Flüchtlingswelle) zum Trotz, deine Regierung dabei zu unterstützen, die mächtigste nationale Armee auf dem europäischen Kontinent aufzurüsten, um zukünftig die uneinsichtige Seite militärisch zur Räson zu bringen und sei es drum, sie in die Steinzeit zurückzubomben.“
Nun geht die Politik, die durch die smarte Metapher "Wandel durch Handel" beschrieben wird, auf die von Willy Brandt eingeleitete Ostpolitik zurück (Wandel durch Annäherung). Und die hat ja immerhin dazu geführt, dass der Ostblock und damit das Militärbündnis „Warschauer Pakt“ sich aufgelöst hat.
Der erklärte Gegner, der Russe, hat, in Folge der Brandt-Politik, seinen Einfluss und somit seine Machtposition aufgegeben. Der „Versuch“ war offensichtlich erfolgreich!
Mir ist es daher völlig rätselhaft, wie jemand schreiben kann, dass die von Willy Brandt eingeleitete Ostpolitik sinnlos gewesen sein soll.
Was "wir" eigentlich wollen, ist eher das Äquivalent zum eigenen Gemüsegarten, der uns auch versorgt, wenn wir im Supermarkt nichts mehr einkaufen können (Geldmangel, Wirtschaftskrise, whatever).
Wenn dein Gemüsegarten dich selbst versorgt, brauchst du keinen Supermarkt mehr. Aber die Subsistenzwirtschaft bindet deine Arbeitskraft.
Die Arbeit auf einem kleinen landwirtschaftlichen Hof erledigt sich nicht von alleine.
Deshalb können wir in guten Zeiten dies ja trotzdem tun.
Das Grundeinkommen passt als Vergleich vielleicht auch: Das Individuum soll nicht mehr abhängig sein von Erwerbsarbeit, soll nicht ausgeliefert sein an "Arbeitgeber".
Größer gedacht möchten wir als Gesellschaft nicht defacto gezwungen sein, Rohstoffe aus i.d.r. fragwürdigen Quellen zu beziehen oder für unersetzbare Rohstoffe und Technologie jeden Preis zahlen zu müssen - ggf. sogar nicht nur den finanziellen Preis, sondern auch politisch ("Wenn ihr eure Woke-Agenda in Europa nicht radikal streicht, bekommt ihr keine IT-Technologie mehr").
Eine solche Betrachtung muss doch auch einen Platz haben, ohne als "nationalistisch" geframed zu werden.